Diagnose nach Test

Manchmal wundert man sich über gar nichts mehr. Obwohl, das Thema ist nicht neu, aber dafür immer noch aktuell. Anlass, sich mal wieder damit zu beschäftigen, ist der folgende Artikel aus der pharmazeutischen Zeitung.

Es geht zunächst darum, dass der Schnelltest, der für zum Nachweis der Schweinegrippe eingesetzt wird, offenbar nicht sehr zuverlässig ist und in etwa 50% ein falsch negatives Ergebnis anzeigt. Heißt: obwohl die Person sich mit der Grippe infiziert hat, fällt der Test negativ aus.

Worum es jedoch eigentlich geht: in einem Klinikum hatte sich eine Arzthelferin mit der Grippe infiziert und wies auch die typischen Symptome auf. Da jedoch der durchgeführte Schnelltest negativ war, wurde sie von der untersuchenden Ärztin nicht krankgeschrieben.

Nun ist es ja nicht neu, dass ein Patient, besonders wenn er ins Krankenhaus kommt, erstmal mittels zahlreicher Tests und Untersuchungen auf den Kopf gestellt wird. Da erfolgt erstmal eine umfangreiche Blutentnahme, dann kommt nach Bedarf noch ein Röntgen und CT oder MRT hinzu, ein Ultraschall muss natürlich auch her, vorsichtshalber schreibe man noch ein EKG, gerne auch mit Doppler und stelle ein paar Konsile für die Kollegen aus.

Dann setze man sich mit den ganzen Ergebnissen hin und überlege, was der Patient denn nun eigentlich hat. Dabei kommt auch oft etwas heraus, mit dem man gar nicht gerechnet hat, klar. Oder die Ergebnisse widersprechen sich und geben Anlass zu weiteren Untersuchungen. Irgendwann schreitet man dann vielleicht auch mal zum Äußersten und befragt den Patienten und untersucht ihn (natürlich etwas übertrieben dargestellt).

Das dramatische ist, dass einem im Medizinstudium nichts anderes beigebracht wird. Und wie soll man es dann besser wissen?

In Mexico, wo ich ein paar Jahre gearbeitet habe, laufen die Uhren andersherum. Nach einer umfangreichen Befragung und Untersuchung des Patienten wird vom Oberarzt eine hieb- und stichfeste Diagnose erwartet. Will man zusätzliche Untersuchungen durchführen, so müssen diese genehmigt werden und die Begründung dazu muss umfangreich und schriftlich erfolgen. Da überlegt man sich dann zweimal, ob das wirklich nötig ist.

Natürlich basiert diese Vorgehensweise auch auf den beschränkten finanziellen Mitteln, die den öffentlichen Krankenhäusern zur Verfügung stehen. Die Frage ist nur: ist das so schlecht? Sollte es nicht vielmehr so sein, dass Untersuchungen nur zur Untermauerung der Diagnose dienen, nicht aber, um diese zu finden?

Sicherlich, das Thema ist kontrovers. Aber wenn sich Ärzte mehr auf Tests und Untersuchungen verlassen als auf die eigene Erfahrung und das Handwerkszeug, dann könnte man eigentlich auch anstatt Praxen große Automaten aufstellen. Patient gibt seine Beschwerden ein, Automat schickt ihn zu Untersuchungen, wertet die Ergebnisse aus, spuckt eine Diagnose aus und gleich noch eine Therapie und fertig!

Dann bräuchten wir die Ärzte eigentlich gar nicht mehr….

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3 Antworten zu “Diagnose nach Test

  1. Der Grund, weshalb es hier genau so läuft und nicht anders ist m.E. ebenfalls ein finanzieller: Die Untersuchung durch den Arzt wird halt von den Krankenkassen mit einer Fallpauschale vergolten, da ist durch mehr Arbeit nicht viel zu holen. Die Labordienste machen dagegen am meisten Gewinn, wenn sie gut ausgelastet sind.

  2. ist es nicht traurig, dass man hier im so fortschrittlichen Deutschland nicht best möglich von einem Arzt betreut wird, sondern so, dass ärzte, Kassen, usw. finanziell am besten wegkommen?

  3. Pingback: Das Märchen von der Diagnostischen Sicherheit « Medizynicus

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