Hat der BMI ausgedient?

Jahrelang war der Body Mass Index (BMI) im wahrsten Sinne des Wortes das Maß aller Dinge. Berechnet wird er mit der Formel Gewicht durch Körpergröße (in Metern) zum Quadrat. Wer einen BMI von 19 bis 25 hatte, ist danach im Bereich des Normalgewichtes. Ein BMI unter 19 weist auf Untergewicht hin, während ein BMI über 25 ein Übergewicht signalisiert.

Dass man mit dem BMI ein zu viel oder zu wenig an Gesicht bestimmen kann, steht außer Frage. Doch die daraus resultierenden Risiken für verschiedene Erkrankungen können laut aktuellen Studien mit dem BMI keineswegs abgeschätzt werden.

Zunächst, und auch das ist nicht neu, gibt es “gutes” und “schlechtes” Fett. Das “gute” Fett befindet sich an den Oberschenkeln, Hüften und Gesäß und ist kein Risikofaktor für die gefürchteten Herz-Kreislauferkrankungen. Im Gegensatz dazu ist das am Bauch befindliche, “schlechte” Fett ein Risikofaktor für die genannte Erkrankung und obendrein würden von dort schädliche Stoffe und Entzündungsfaktoren in den Körper abgegeben werden.

Zum anderen kann der BMI Wert natürlich nicht unterscheiden zwischen Muskel- und Fettmasse, denn es geht ja nur um das Gewicht. Wer also regelmäßig Sport treibt und damit seine Muskelmasse erhöht, der hat vielleicht auch einen höheren BMI. Dieser lässt sich dann aber nicht auf das Fett- sonder auf die Muskelmasse zurückführen.

In einer deutschen Studie wurden daher 10.652 Probanden über 3,3 bzw.  8,5 Jahre beobachtet. Neben dem BMI wurde auch andere Werte erfasst, unter anderem der Hüftumfang und das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang sowie das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße (WHtR). Endpunkte waren die cardiovaskuläre Mortalität (also der Tod durch eine Herzkreislauferkrankung), die allgemeine Mortalität sowie ein gemeinsamer Endpunkt bestehend aus Tod durch ein cardiovaskuläres Ereignis, Schlaganfall und Herzinfarkt.

Die Ergebnisse: es wurde ein positiver Zusammenhang festgestellt zwischen dem WHtR-Wert und dem gemeinsamen Endpunkt. Der BMI hingegen ließ eine solche Schlussfolgerung nicht zu. Die Wissenschaftler schließen aus den Ergebnissen, dass der WHtR-Wert die beste Möglichkeit ist, um das Risiko abzuschätzen, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben.

Dies ist in jedem Falle eine gute Nachricht für all diejenigen, die sich bisher immer über Ihren hohen BMI geärgert haben. Etwas mühsam erscheint es schon, dass die moderne Wissenschaft immer alles in Formeln und Zahlen ausdrücken muss. Auf der anderen Seite können dadurch Anhaltspunkte gegeben werden. Natürlich muss auch ein hoher WHtR Wert nicht zwangsläufig zum Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankung führen und wie immer im Leben gibt es auch noch andere Risikofaktoren, die mit eingerechnet werden müsssen (z.B. Rauchen). Aber mit dem WHtR geben uns die Forscher einen nach neuesten Erkenntnissen besser geeigneten Indikator an die Hand.

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10 Antworten zu “Hat der BMI ausgedient?

  1. Darüber hatte ich auch gelesen und war nahe dran zu posten… nun haben Sie das gemacht – auch sehr gut und aus medizinisch berufenem Munde ;-)

  2. Liebe Gesa,
    vielen Dank für den Kommentar und das feedback:-))

  3. Danke für diese gute Zusammenfassung. Für diejenigen, die nicht den Taschenrechner zücken wollen, habe ich einen schnellen WHtR Rechner online gestellt:

    http://www.umstellung.info/gesundheit/das-richtige-gewicht/gewichtsrechner/whtr-rechner/

  4. Der Vollständigkeit halber sollten Sie vielleicht noch auf die im Artikel empfohlenen cut-off-Werte hinweisen (ich meine mich zu erinnern: 0,5 bis 40 Jahre, 0,6 ab 50). Sonst macht es wenig Sinn, den Wert zu berechnen, oder?

  5. Gute Information und danke für den online Rechner. Doch glaube ich, dass der BMI alleine nicht zu den oben erwähnten Krankheiten führt, es spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, beispielsweise Ernährung, Alter, Lebensgewohnheiten, etc.

    Doch hilft es den BMI als Richtlinie zu nehmen, zur Vorbeugung und Gewichtskontrolle.

  6. Gute Information, ich wusste zwar über den BMI Bescheid aber hatte noch nichts über den WHtR gewusst. Man kann immer mehr dazu lernen, danke für diesen Artikel, denn das hilft mir einiges in anderer Perspektive zu sehen.

    Doch glaube ich auch nicht, dass nur diese Werte etwas mit Erkrankungen und/oder sogar Tod zu tun haben, dabei spielen auch noch ganz andere Dinge eine Rolle. Beispielsweise wie man lebt, sich ernährt und aber auch die Einstellung zum Leben. Das Leben eher positiv zu sehen wäre gut, oder es zu akzeptieren, nur so ein Gedanke von mir.
    Dabei muss ich sagen, stimme ich mit der Aussage von Peter überein.

    • Vielen Dank! Und natürlich stimmt es, die Gesundheit und das Leben muss man als Ganzes betrachten und kann sich nicht nur auf Werte und Zahlen stützen. Das wäre genauso falsch, wie einem Patienten Blut abzunehmen, mal zu schauen, was dabei raus kommt und daraus eine Diagnose zu basteln. Selbstverständlich muss immer die Ganzheit und der Mensch im Vordergrund stehen.

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