Antidepressiva als Risikofaktor für Katarakt?

Zu den am häufigsten verschriebenen Antidepressiva zählen die Medikamente aus der Gruppe der so genannten SSRI (selective Serotonine Repuptake Inhibitor, also selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer). Laut einer Studie könnte die Verabreichung dieser Mittel das Risiko für die Entwicklung einer Katarakt (Linsentrübung am Auge, auch grauer Star) erhöhen.

Das Design: in einer Fallkontrollstudie wurden die Daten von insgesamt 18.784 Patienten und 187.840 Kontrollen zwischen den Jahren 1995 bis 2004 erhoben. Die Diagnose einer Katarakt wurde durch einen Augenarzt gestellt.

Die Ergebnisse: die Gabe von Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI könnte das Risiko, eine Katarakt zu entwickeln, erhöhen. Dabei wurden für die einzelenen Mittel unterschiedliche Signifikanzen ermittelt. So lag das Risiko am höchsten für den Wirkstoff Fluvoxamin (1,39), dann folgten Venlafaxin (1,33) und Paroxetin (1,23). Die Ergebnisse wurden bezogen auf eine Kataraktoperation.

Die Wissenschaftler selbst sind jedoch nicht von der Kausalität überzeugt. So wurde zum Beispiel das Rauchen nicht in die Analyse mit einbezogen. Rauchen gilt als etablierter Risikofaktor für eine Katarakt. Ebenso könnte es natürlich sein, dass die Patienten erst den grauen Star bekamen und aufgrunddessen eine Depression entwickelten.

Auf der anderen Seite, so die Forscher, würde das nicht erklären, warum das Risiko für die verschiedenen Wirkstoffe unterschiedlich sei und außerdem von der Dauer der Therapie abhängig war.

Unzweifelhaft sind Studien ein wertvolles und probates Mittel, um Kausalität zwischen zwei Faktoren zu ermitteln und somit Risikofaktoren auf die Spur zu kommen. Am Beispiel dieser Studie wird jedoch deutlich, wie schwierig es ist, alle Faktoren zu berücksichtigen, die möglicherweise auch einen Einfluss auf die Krankheit haben könnten. Dazu können natürlich auch Lebensgewohnheiten gehören, die bis dahin noch gar nicht als Risikofaktor identifiziert wurden und daher auch nicht in der Analyse beachtet werden. So sollte die Interpretation derartiger Ergebnisse immer mit Vorsicht erfolgen und es bleibt abzuwarten, ob es zu diesem Thema in der nächsten Zeit noch weitere Hinweise geben wird.

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