Miss Frauchen war eigentlich , Entschuldigung, reichlich genervt von dem ganzen Trara um die Schweinegrippeimpfung. Ich? Impfen? Im Leben nicht!!!! skandierte sie und wenn sie als Ärztin um Rat gefragt wurde, hielt sie sich schön bedeckt. Nun trug es sich aber zu, dass Miss Frauchen spontan und demnächst ins außereuropäische Ausland reisen würde. Flughafen FRA mit Menschenmassen, vollbesetzte Boeing 747 mit ungeheurem Platzangebot, hustende Passagiere, die ihre Viren über die Klimaanlage im ganzen Flugzeug verteilen….Außerdem hat Miss Frauchen an der Destination wichtige Aufgaben zu erledigen und kann es sich nicht leisten, krank zu werden. Und wie dann immer der Zufall will, wenn man es gar nicht gebrauchen kann….
Also, man wird ja seine Meinung wohl mal ändern dürfen. Dachte sich Miss Frauchen und schaute auf dem morgendlichen Spaziergang mit Herrn Hund spontan in ihrer Hausarztpraxis rein. Vierter Stock. Herr Hund, angelegentlich bemüht, Miss Frauchen von einem Treppenaufstieg zu überzeugen, zog begierig an der Leine. Aber Miss Frauchen war anderer Gesinnung und trat samt Herrn Hund und zwei Damen, die das gleiche Ziel hatten in den Aufzug in der Größe einer Sandwichbox. Die Damen waren sogleich herzlich um Herrn Hund bemüht: Schnalz, schnalz, ja, wer bist Du denn? Du bist ja ein Süßer! Eididei, tüdelü, Mausebär. Herr Hund, das muss dazu gesagt werden, ist solcherlei Ansprachen gewohnt. Sie begegnen ihm jeden Tag. Und so hebt er nur gelangweilt den Kopf und wirft kurz einen Blick auf das Menschenkind. Kein Leckerli? Na, dann kannst Du mich mal. Die Damen haben sich wieder beruhigt und oben angekommen, muss Herr Hund vor der Praxis warten.
Miss Frauchen trägt ihr Anliegen vor und wird eine Straßenecke weiter an eine urologische Praxis verwiesen. Tja, denkt sie sich, so komme ich auch nochmal in meinem Leben zum Urologen…..Herr Hund strebt begeistert dem Ausgang zu und ist entsetzt, als Miss Frauchen ihn ein paar Schritte weiter erneut ersucht, ein wenig zu warten. Leine an einen Pfosten, Herr Hund kann nur noch entsetzt schauen, wie Miss Frauchen mit fliegenden Mantelschößen im Inneren des Gebäudes verschwindet. Er ist entsetzt. Das ist das zweite Mal warten innerhalb weniger Minuten, was denkt die sich eigentlich? Er beschließt, seinen Unmut mit lautem Bellen kundzutun.
Das hört Miss Frauchen, die sich inzwischen in der nächsten Warteschlange eingereiht hat. Am liebsten wäre sie ins Wartezimmer gestürmt, hätte das Fenster aufgerissen und den Ungezogenen durch lautes Schreien zur Vernunft gebracht. Rechtzeitig erinnert sie sich daran, dass dies nicht der guten Kinderstube entspricht, deren Erziehung sie genossen hat. Eigentlich hatte sie sich nur einen Termin holen wollen, aber sie wird gleich gebeten, da zu bleiben. Nein, die Versichertenkarte bräuchte man dafür nicht. Sie solle nur den Bogen mit der Einverständniserklärung ausfüllen und sich kurz setzen. Aha.
Wenige Minuten später wird sie in einen kleinen Raum gebeten. Als sie gerade noch dabei ist, sich aus ihrem Rollkragenpulli zu schälen, kommt bereits eineArzthelferin herein, in der Hand schon die Spritze. Miss Frauchen wird nicht befragt und noch viel weniger untersucht und einen Kollegen Mediziner bekommt sie auch nicht zu sehen. Pieks, vielen Dank. Miss Frauchen ist nun doch ein wenig überrascht. Verständlicherweise ist es für die Praxis ein Mehraufwand, die ganzen Impfwilligen zu befriedigen. Ja, Zeit ist immer knapp im heutigen Gesundheitswesen. Und ja, auf dem Bogen stand auch die Frage, ob sie sich gesund fühle. Aber das ist ja reichlich subjektiv. Während einige schon mit einem Hüstelchen totkrank im Bett liegen, sind andere noch von ihrer Gesundheit überzeugt, wenn jeder Arzt sie krank schreiben würde. Und so ein kurzes, ärztliches Gespräch wäre doch vielleicht drin gewesen….Hätte drin sein müssen……Aber nun denn, Miss Frauchen krabbelt schnell wieder in die Klamotten und eilt aus der Praxis.
Draußen sitzt Herr Hund und schaut anklagend in alle Richtungen. Als er Miss Frauchen gewahr wird, setzt er sie sofort mit einem empörten Bellen davon in Kenntnis, dass er ihre Abwesenheit keinesfalls gutgeheißen hat. Miss Frauchen versucht sofort, durch reichlich Leckerligabe den derart im Stich gelassenen zu versöhnen. Es gelingt sofort, dazu ist Herr Hund einfach zu verfressen. So hat Herr Hund bereits am Wochenbeginn einen aufregenden Morgen verbracht und Miss Frauchen ist so schnell und spontan geimpft worden wie noch nie in ihrem Leben.